Mit der Akademisierung der Physiotherapie ist die Massage in der Ausbildung (noch) stärker in den Hintergrund getreten. Sie macht an manchen FHs nur noch ca. 50 Stunden aus und beschränkt sich im Wesentlichen auf Klassische Massage und (in unterschiedlichem Ausmaß) Lymphdrainage.
  

Ausbildung an der Fachhochschule

Zirka 4.500 Stunden (180 ETCS-Punkte[1]) sind für das Bacchelor-Studium Physiotherapie erforderlich, ca. 750 Arbeitsstunden für jedes der sechs Semester. Dazu kommen studienbegleitend nochmals 1.200 Praktikumsstunden (an der FH Salzburg, die an dieser Stelle  beispielhaft herangezogen wurde[2], vorwiegend an den Salzburger Landeskliniken).

Bezüglich Massage findet sich im Curriculum der FH Salzburg[3] im ersten Semester die Lehrveranstaltung „Massagemethoden“ die mit 2 ECTS-Punkten, d.h. ca. 50 Stunden angegeben wird. Veranstaltungsinhalte sind „Massagebefund und Dokumentation; klassische Massage“.

Der Kompetenzerwerb aus dem übergeordneten Modul „Basis-Behandlungstechniken“ wird wie folgt beschrieben: „Die Studierenden kennen die berufsrelevanten Hygienemaßnahmen; Sie können im Rahmen ihrer physiotherapeutischen Tätigkeit die entsprechenden Maßnahmen zur Verhütung von Infektionen gezielt und situationsadäquat auswählen. Die Studierenden können einen Massagebefund erheben und in diesen in den Physiotherapeutischen Prozess integrieren. Sie können die Beschaffenheit von Haut, Bindegewebe und Muskulatur differenziert palpatorisch erfassen. Sie können die Beschaffenheit einer Struktur beurteilen und Abweichungen von der Norm erkennen. Sie können eine klassische Massage durchführen. Sie wissen über die physiologische Haut- und Gewebereaktion Bescheid und können abnorme Reaktionen erkennen und die physiotherapeutischen Maßnahmen entsprechend anpassen. Sie können den Therapieverlauf darstellen und einen Abschlussbefund erstellen. Sie kennen die Wirkungsweisen und die Anwendungsbereiche von thermo-, hydro- und balneotherapeutischen Maßnahmen. Sie können diese physikalischen Maßnahmen indikationsgerecht anwenden. Sie kennen Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen bei der Auswahl und Durchführung physikalischer Maßnahmen.“

Im zweiten Semester kommt dann an der FH Salzburg noch Lymphdrainage mit 3 ECTS-Punkten dazu. Stundenmäßig kommen Klassische Massage und Lymphdrainage damit zusammen auf ca. 125 Stunden (5 ECTS-Punkte). Andere Massagemethoden, wie Bindegewebsmassage oder Reflexzonenbehandlungen, finden sich nicht.[4]  

Inhalte sind der Lehrveranstaltung Lymphdrainage" sind: „Anatomie, Physiologie und Pathologie des Lymphgefäßsystems. Befunderhebung, Evaluation und Dokumentation. Grifftechniken und Griffreihenfolgen für die verschiedenen Behandlungsgebiete. Bandagetechniken in der Ödemtherapie. Beratung und Instruktion der PatientInnen über begleitende Verhaltensmaßnahmen, Zusammenstellung eines Heimprogramms".
  

Ein eingeschränkteres Bild hinsichtlich der Massage zeigt die Ausbildung an der FH Campus Wien.[5] Hier wird im ersten Jahr im Umfang von 2 ETCS-Punkten (ca. 50 Stunden) „Klassische Massage“ angeboten, dann aber - abweichend vom Studium in Salzburg - im zweiten Semester keine Lehrveranstaltung Lymphdrainage. 

Inhalte des Moduls Klassische Massage" sind: „Befunderhebung in der Klassischen Massage als Bestandteil des Physiotherapeutischen Prozesses; Anwendungsbereiche und pathophysiologische Indikationen; Kontraindikationen/Voraussetzungen der Klassischen Massage; Grundtechniken der Klassischen Massage in Theorie und Praxis am ganzen Körper; Positionierung der Massage im Berufsfeld der Physiotherapie sowie im öffentlichen Gesundheitswesen; Prinzipien der Behandlungsplanung am Beispiel verschiedener Krankheitsbilder und funktioneller Probleme; Abgrenzung zu anderen Massagetechniken; Anwendung von Grundlagen der Wahrnehmung im Bereich der Massage“.

Es findet sich im Studienplan an der FH Campus Wien generell kein Lehrfach Lymphdrainage, einzig in den Bereich der „Lymphologische Physiotherapie" (2 ECTS-Punkte, 50 Stunden insgesamt) dürfte Lymphdrainage z.B. im Bereich "Behandlung ausgewählter Lymphknotenbereiche und ihrer Tributargebiete mittels KPE" mit ein paar Stunden zu Buche schlagen, wenngleich der Begriff Physiotherapie hier nicht explizit angeführt wird. 

Lehrinhalte von „Lymphologischer Physiotherapie" sind: „Allgemeine Grundlagen der KPE inkl. Untersuchungsmaßnahmen im Rahmen des physiotherapeutischen Prozesses, Unterweisung und Selbstmanagement für Patient*innen, Behandlung ausgewählter Lymphknotenbereiche und ihrer Tributargebiete mittels KPE, Physiotherapie beim Lymphödem inkl. Maßnahmen aus dem Bereich der physikalischen Therapie". 


Die bisherige Diplom-Ausbildung  

Anders ist die Situation bei der Ausbildung an der UMIT, der „Health & Life Sciences University, die bis Herbst 2018 eine Ausbildung zur PhysiotherapeutIn mit Diplomabschluss gemäß MTD-Gesetz angeboten hat.[6]

Die Gleichstellung dieser Ausbildung mit Diplomabschluss mit einer Ausbildung an einer FH mit Bachelorabschluss (180 ECTS-Punkte) bestätigte das Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und  Wirtschaft in einem Schreiben vom 26. April 2017.[7] Mit der Novelle des MTD-Gesetzes (BGBl. I Nr. 185/2013 § 34b) allerdings dürfen PhysiotherapeutInnen in Österreich künftig nur noch an Fachhochschulen ausgebildet werden, weshalb UMIT im Herbst 2018 seine letzte Ausbildungsgruppe startete.

Das Curriculum von UMIT[8] weist 75 Stunden Heilmassage, 82 Stunden Lymphdrainage Grundkurs, 82 Stunden Lymphdrainage Therapiekurs und 55 Stunden Bindegewebs- und Reflexzonentherapie, insgesamt also 294 Stunden Massagetechniken.

  
Fazit 

Mit der Akademisierung der Physiotherapieausbildung scheint, von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, eine Veränderung in der inhaltlichen Ausrichtung der Physiotherapie vonstattengegangen zu sein. Waren zu Zeiten des Diplomabschlusses noch deutlich mehr Massageausbildungsstunden integriert, wie UMIT mit beispielhaft 294 Stunden belegt, gibt es mit der Akademisierung der Ausbildung plötzlich nur noch knapp mehr als 50 Stunden (in Wien) oder 125 Stunden (in Salzburg). Und nicht nur das: Fast nur noch Klassische Massage und (in sehr unterschiedlichem Ausmaß) Lymphdrainage wird in den Curricula gelehrt. Vergebens sucht man z.B Bindegewebsmassage oder Reflezzonenbehandlungen.

  

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[1] ECTS-Punkte, ausgehend von der englischen Bezeichnung „European Credit Transfer and Accumulation System“, sind, vereinfacht gesagt, Zahlenwerte, die den für ein Studium, eine Ausbildung erforderlichen Arbeitsaufwand ausdrücken. 1 ECTS-Punkt entspricht dabei 25 bis 30 Arbeitsstunden. Im Vollzeitstudium wird davon ausgegangen, dass 30 ECTS-Punkte pro Semester gesammelt werden, was einem Aufwand von 750 bis 900 Stunden entspricht.

[2] https://www.fh-salzburg.ac.at/disziplinen/gesundheitswissenschaften/bachelor-physiotherapie/beschreibung. Zugriff: 13.3.2019.

[3] https://www.fh-salzburg.ac.at/disziplinen/gesundheitswissenschaften/bachelor-physiotherapie/studienaufbau/curriculum. Zugriff: 13.3.2019.

[4] Zugriff: 13.3.2019

[5] https://www.fh-campuswien.ac.at/departments/gesundheitswissenschaften/studiengaenge/detail/physiotherapie.html. Zugriff: 13.3.2019.

[6] https://www.umit.at/page.cfm?vpath=studien/bachelor/physiotherapie. Zugriff: 14.3.2019.

[7] https://www.umit.at/data.cfm?vpath=psychologie--med-wissenschaften/eurak10/20170511_bwfw. Zugriff: 14.3.2019.

[8] https://www.umit.at/data.cfm?vpath=ma-wartbare-inhalte/ma-downloadfiles/curriculum-physio&download=yes. Zugriff: 14.3.2019.. Zugriff: 14.3.2019.

Autor: Dr. Eduard Tripp

Vom 12. bis zum 14. Juni 2019 finden in Wien die 4. ÖDS-Tage statt.

Neben Workshops von Suzanne Yates („Eintauchen in den Fluss des Lebens: die Außerordentlichen Gefäße neu verstehen“), Patrizia Stefanini („Meridiane als Quantenprozess“), Daniela Tisch-Merkus („Vertiefte Organarbeit im Shiatsu“), Alessandro Gambetta („Rückenschmerzen durch die Stimulation der Reflexzonen an den Beinen behandeln“), Anneliese Haidinger-Krieger („Meridiandienst“) und Ryokyo Ende („Höchste Effektivität“) findet eine Podiumsdiskussion statt, die von Mag.a Dr.in Sonia Raviola, MSc. moderiert wird.

Zum Thema „Braucht Shiatsu Forschung? Welche Forschung braucht Shiatsu?“ diskutieren Fernando Cabo (Großbritannien; Autor der Studie „Shiatsu and Acupressure Two Different and Distinct Techniques“), Achim Schrievers (Deutschland; Mitautor der Pilotstudie „Shiatsu als Weg in die Achtsamkeitspraxis“), Karin Koers (Deutschland; Mitarbeit an der Pilotstudie „Shiatsu als Weg in die Achtsamkeitspraxis“), Patrizia Stefanini (Italien; Mitautorin der Studie „Modeling Meridians Within the Quantum Field Theory“), Kristina Pfeifer (Österreich; Koordinatorin des Shiatsu-Forschungsnetzwerkes), und Eduard Tripp (Österreich; berufsrechtlicher Vertreter des ÖDS).

Abgerundet wird die Veranstaltung mit einem Japanischen Abend: Teezeremonie mit Mayo Endo, Musik mit Yuko Tamaoki-Matsumoto und Kaligraphie mit Shunya Tomari.

Weitere Informationen unter www.oeds.at 

Im Rahmen der Shiatsu-Tage des Österreichischen Dachverbandes für Shiatsu („ÖDS-Tage“) geht der Veranstalter der Frage nach, wozu Forschung (für Shiatsu) notwendig ist und führt dazu aus:
 

Evidenz, in berufspolitischen Belangen mittlerweile regelrecht zu einem Modewort geworden, wird vom Duden als unmittelbare und vollständige Einsichtigkeit, als empirisch erbrachter Nachweis der Wirksamkeit eines Medikaments oder einer Behandlungsmethode definiert.

Selbst wenn wir uns als Praktizierende tagtäglich von der Wirksamkeit von Shiatsu überzeugen können, zählen hier nur Veröffentlichungen, die bestimmten Kriterien entsprechen, wie z.B. eine bestimmte Stichprobengröße, die zugleich für die durchschnittliche Bevölkerung repräsentativ ist, Kontrollgruppen u.a.m. Und selbst ein (relativ) positives Ergebnis gilt noch nicht als definitiver Beweis, sondern nur als ein Hinweis, der noch zu überprüfen ist. Übersichtsarbeiten (Reviews), die möglichst viele verfügbare Ergebnisse zusammenfassen und bewerten, sind deshalb von großer Bedeutung.

Natural Medicines (https://naturalmedicines.therapeuticresearch.com) beispielsweise ist eine Plattform, die sich Wissenschaftlichkeit zum Ziel gesetzt hat und traditionelle Methoden hinsichtlich Sicherheit und Wirksamkeit auf Basis vorliegender Studien bewertet.

Shiatsu wird hier als „wahrscheinlich unbedenklich“ angesehen, eine konkrete Bewertung der Wirksamkeit kann wegen zu wenig aussagekräftigen Studien allerdings nicht erfolgen. Für eine mögliche Wirksamkeit werden Rückenschmerzen, Geburtsunterstützung, Unterstützung der Genesung nach Bauchoperation und Verbesserung der Lebensqualität bei PalliativpatientInnen angeführt.

Auf solche und ähnliche Wertungen greifen Gesetzgeber, Versicherer und auch Konsumenten zurück – und genau das ist die Zielsetzung dieser Plattformen.

Ein Beispiel der jüngeren Zeit zeigt die Auswirkungen von Studien wie auch fehlenden Studien für den konkreten Berufsalltag: Die Gebietskrankenkasse in Salzburg hat 2018 die Rückvergütung für Heilmassagen (bei Heilmasseuren) mit der Begründung eingestellt, dass es keine (ausreichenden) Belege gibt, dass Massagen für sich allein Beschwerden des Bewegungsapparats verbessern. Heilmassagen werden seither „konsequenterweise“ nur noch als Teil einer physiotherapeutischen Aktivbehandlung rückerstattet. In der Begründung wird angemerkt, dass PatientInnen Heilmassagen selbstverständlich und nachvollziehbar gerne in Anspruch nehmen – aber es gäbe keine Evidenz dafür, dass sie auch nachhaltig wirksam sind. Und letztere entscheidet über die Anerkennung als Heilmethode und damit die Bezahlung durch die Krankenkassen. Ein Problem für den gesamten Berufsstand.

Um Shiatsu beruflich in einem Bereich zu etablieren, der sich nicht auf Wohlfühlen reduziert, ist es deshalb notwendig, dass die Wirksamkeit von Shiatsu-Behandlungen auch wissenschaftlich nachgewiesen wird. Aber nicht nur die Qualität, wie oben angeführt, sondern auch der Inhalt dieser Studien ist von entscheidender Bedeutung.

Welche Fragestellung soll im Mittelpunkt einer geplanten Studie stehen? Lassen wir uns in der Zielsetzung davon leiten, mit welchen Themen wir in der Praxis am meisten konfrontiert werden? Oder greifen wir Themen auf, die als Wohlstandserkrankungen volkswirtschaftlich besonders relevant sind und deshalb die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich ziehen, wie z.B. metabolisches Syndrom, Herz-Kreislauferkrankungen oder auch Depressionen? Oder sollten wir aus praktischen Gründen vor allem Forschungsfragen wählen, die sich leicht erforschen lassen und auch finanzieren? In der Hoffnung, dass diese dann relevant sind für künftige Positionierungen von Shiatsu?

Dürfen gewerbliche Anwender Akupressurpunkte mit Laser behandeln? Wenn ja: welche Gewerbeberechtigung ist erforderlich und welche Laser dürfen verwendet werden?

In einem Schreiben vom 1. März hält die Bundesinnung dazu fest, dass die Behandlung von Akupressurpunkten mittels Laser für präventive (also keine kurative) Zwecke erlaubt ist, wenn 

  • die Gewerbeberechtigung dafür vorliegt, was für Tuina, Shiatsu und Akupunktmassage gegeben ist; und
  • der verwendete Laser nicht verletzt (z.B. ein Laserpointer mit 1 mW).

Welche Geräte eingesetzt werden dürfen, wäre - analog zur Anwendung von Lasergeräten in der Kosmetik - vom Gesetzgeber nicht festgehalten. Entscheidend ist vielmehr, ob mit dem Gerät eine Tätigkeit durchgeführt wird, die dem jeweiligen gewerblichen Berufsbild zuordenbar ist (was, wie schon oben ausgeführt, für Shiatsu, Tuina und Akupunktmassage zutrifft).

Detailliertere Information unter http://www.gruene-masseurinnen.at/index.php/info-pool/berufsinformationen/423-die-behandlung-von-akupressurpunkten-mit-lasergeraeten