Natural Medicines (https://naturalmedicines.therapeuticresearch.com) ist eine Website, die sich Wissenschaftlichkeit auf ihre Fahnen geschreiben hat. Viele Aspekte der Medizin, insbesondere im Bereich der Naturheilkunde, so führen die Betreiber der Seite aus, sind von Überlieferungen und Glaubenssätzen geprägt. Manche dieser Methoden werden auf Basis traditioneller oder folkloristischer Überzeugungen ausgeübt, andere hingegen sind Gegenstand übermäßiger Marketingansprüche oder „überzogener Extrapolationen aus Reagenzgläsern oder Tierstudien“.
  
Das Ziel von Natural Medicines ist es einen objektiven Blick auf diese Methoden zu werfen und abgesicherte wissenschaftliche Forschung zu ihrer Bewertung heranzuziehen. Aktuell erfasst die Natural Medicines-Datenbank über 200 Monographien zu Gesundheit und Wellness. Dabei wird vor allem ausgeführt, wofür diese Methode (traditionell) verwendet wird, ob sie sicher ist und welche Nebenwirkungen zu erwarten sind.
  
  
Die Bewertung von Shiatsu 2013
  
2013 war die Seite unter dem Titel Natural Standard (www.naturalstandard.com) noch weniger umfangreich und listete Shiatsu zusammen mit Akupressur und Tuina. Angeführt wurde damals, dass es starke wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit der Akupressur bei der Prävention und Behandlung von akuter Übelkeit verschiedener Ätiologie gibt. Randomisierte kontrollierte Studien und Metaanalysen zu P6 zeigen höchste wissenschaftliche Evidenz („A“) für alle Arten von Übelkeit. Mit immerhin noch „positiver wissenschaftlicher Evidenz“ („B“) wurden „Angst“ und „Schmerz (allgemein)“ bewertet.
  
Für die Wirksamkeit von Shiatsu explizit angeführt werden die Studien
Akupressur, so das Resümee, kann eine kostengünstige Behandlung sein und ist bei entsprechender Krafteinwirkung in der Regel gut verträglich. Diejenigen, die eine Akupressurbehandlung in Betracht ziehen, sollten vor Beginn der Behandlung allerdings mit einem Arzt sprechen (mehr unter https://www.shiatsu-austria.at/index.php/forschung-zu-shiatsu-tcm/forschung-zu-shiatsu/%C3%BCberblicksarbeiten/shiatsu-aus-der-sicht-der-evidence-based-medicine).
  
  
Die Bewertung von Shiatsu 2018
 
2018 (die letzte Aktualisierung erfolgte im Juli 2015) wird Shiatsu als eine japanische Form der Massage dargestellt, die bei diversen Erkrankungen, wie beispielsweise bei Muskelschmerzen (Myalgie), Osteoarthritis, rheumatoider Arthritis, Verletzungen des Bewegungsapparats eingesetzt wird oder aber auch um die Immunität anzuregen. In Hinblick auf die Sicherheit der Methode werden Shiatsu-Behandlungen wird als „wahrschinlich unbedenklich“ (likely safe) betrachtet. Und – sachgemäß ausgeführt – sind sie auch „möglicherweise sicher“ (possibly safe)  während der Schwangerschaft und in der Stillzeit.
  
Die Wirksamkeit von Shiatsu lässt sich Natural Medicine zufolge auf Basis der vorliegenden Datenlage nicht wirklich bewerten – dazu bedarf es weiterer Studien. Angeführt werden aber dennoch vier Bereiche, in denen vorliegende Studien auf Verbesserungen durch Shiatsu hindeuten:
  •  Rückenschmerzen: Angeführt wird eine Studie von LH Brady et al. (The effects of shiatsu on lower back pain, 2001; http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11847714?dopt=Abstract), die eine Besserung von Schmerzen und Angst bei unteren Rückenschmerzen aufzeigt.
  • Geburtsunterstützung: Die Pilotstudie von J Ingram et al. (The effects of shiatsu on post-term pregnancy, 2005; https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15907673?dopt=Abstract) legt nahe, dass Frauen, die von ihren Hebammen in Shiatsu-Techniken unterwiesen wurden, spontanere (d.h. nicht künstlich eingeleitete) Geburten haben. Keine Auswirkungen zeigen diese Techniken jedoch in Hinblick auf die Schmerzintensität.
  • Genesung nach Bauchoperation: Eine Pilotstudie von H. Saito (Preventing and resolving post-laparotomy intestinal obstruction: an effective shiatsu method, 2000; https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10794126?dopt=Abstract) legt nahe, dass Shiatsu-Behandlungen des mittleren Rückens postitiv wirken auf Darmverschluss und Darmträgheit bei PatientInnen nach Bauchhöhlenöffnung (Laparotomie).
  • Lebensqualität: Eine Pilotstudie von S Cheesman et al. (. Exploring the value of shiatsu in palliative care day services, 2001; https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12148974) legt nahe, dass Shiatsu-Behandlungen einmal wöchentlich über fünf Wochen hinweg Vitalität, Entspannung, Vertrauen, Beweglichkeit und andere Kriterien der Lebensqualität verbessern bei PatientInnen mit einer fortgeschrittenen Erkrankung in Palliativpflege.
In Bezug auf Nebenwirkungen weist Natural Medicine darauf hin, dass Shiatsu in klinischen Studien bislang nur wenig untersucht wurde – und damit kaum Informationen über seine sichere Anwendung und/oder Risiken (Nebenwirkungen) verfügbar sind. Eine Studie von H Iwanami et al. (Bilateral cerebellar infarction caused by intracranial dissection of the vertebral artery after long periods of "Shiatsu", 2002; https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17315759) wird angeführt, derzufolge eine 56-jährige Japanerin während einer Shiatsu-Behandlung Nackenschmerzen, Schwindel, Schluckprobleme und Gangstörungen bekam. Diagnostische Untersuchungen zeigten eine arterielle Verengung (Stenose) und einen Kleinhirninfarkt, der möglicherweise mit der Shiatsu-Behandlung zusammenhing.
(Autor: Eduard Tripp)