Newsletter 19 der Grünen Masseur*innen — Die kritische Alternative

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Liebe/r

willkommen bei der 19. Ausgabe des Newsletters der Grünen Masseur*innen!
(6. Jänner 2023)

~ Was uns bewegt

Corona ist zwar noch nicht ganz Geschichte, aber zumindest nicht mehr in dem Maße relevant für unser Leben und unsere Arbeit, wie es die letzten nun fast schon drei Jahre war. Von einer „Normalität“, wie sie vor diesem Ereignis herrschte, kann aber keine Rede sein, haben sich doch andere Problem- und Bedrohungsszenarien dazugesellt bzw. sind manche deutlicher ins Bewusstsein gerückt.
 
Während einerseits Krieg in Europa herrscht und Ressourcen in ungeahntem Ausmaß vernichtet werden, fehlen finanzielle Grundlagen und oft wohl auch der Wille zu Maßnahmen gegen die Klimaerwärmung. Und, damit die Situation noch prekärer wird, steigen auch die Energie- und sonstigen Lebenshaltungskosten derart, dass viele Menschen in die Armut (oder deren Nähe) rutschen. Auch viele EPUs – die meisten Masseur*innen sind EPUs – haben schwere wirtschaftliche Probleme, zumal sich manche ihrer (bisherigen) Kund*innen keine Behandlungen mehr leisten können…
 
Zugleich aber zeigt uns all das, wie wichtig kritische, nachvollziehbare und durch Fakten belegte Informationen sind. Und es zeigt uns, wie wichtig ein Miteinander ist, in dem Entscheidungen nicht nur top-down, auf Basis bestehender Machtverhältnisse, getroffen werden. Denn: Viele Entscheidungen betreffen uns, stellen Weichen für unser aller Zukunft und sollten deshalb nicht nur passiv von uns mitgetragen werden, sondern – soweit möglich – auch aktiv mitentschieden.
 
Das ist der Grund, warum wir, die Grünen Masseur*innen, uns in der Innungsarbeit einbringen – immer mit der Hoffnung, dass dadurch Veränderungen möglich werden, die für unseren Kolleg*innen, für unserem Berufsstand, aber auch in einem größeren Kontext (z.B. Umwelt, soziale Aspekte) förderlich und nachhaltig sind.

Kritische Alternative?

Wir sehen konstruktive Kritik (lt. Duden ist Kritik die prüfende Beurteilung und deren Äußerung in entsprechenden Worten) als ein wesentliches Element demokratischer Systeme und entsprechend auch für unsere, eigentlich jegliche Arbeit in der Fachgruppe.
 
Nehmen wir beispielsweise die Fachgruppentagung, die jedes Jahr statutengemäß stattfindet. Sicherlich, wie es manche Kolleg*innen sehen, ein nettes Zusammentreffen mit gutem Essen und ein paar durchaus interessanten Gesprächen mit Kolleg*innen (ergänzend zur „Leistungsschau“ durch die Innungsmeisterin und der Ehrung von langjährigen Mitgliedern).
 
Und doch: Aus unserer Sicht fehlt etwas ganz Entscheidendes, denn zu keinem Zeitpunkt kommen so viele Mitglieder an einem Ort zusammen. Nie sonst sind so viel „Potential“, so viel Fachwissen und so viel unterschiedliche Ansichten versammelt, um schwierige Fragen und Weichenstellungen zu diskutieren, kreative Lösungen zu suchen – kurz: gemeinsam eine gute und nachhaltige Zukunft zu schaffen.
 
Das ist Teil unserer Vision.
 
Anregungen, Feedback, Kritik bitte an: eduard.tripp@gmail.com. Wir freuen uns darüber. 

~ Sexuelle Belästigung / sexualisierte Übergriffe in der Massage-Praxis: erste Schritte für einen Umgang mit diesem schwierigen und bedeutsamen Thema

Wie schon im Newsletter im Juni 2022 angekündigt, haben wir, die Grünen Masseur*innen, das Thema im Herbst in den Ausschuss gebracht, und der Ausschuss hat der Bildung einer Arbeitsgruppe (unter der Leitung von Eduard Tripp) zugestimmt. Zudem wurde ein Rahmenbudget für Vorträge zum Thema „sexuelle Gewalt/Belästigung sowie Kriminalprävention“ beschlossen.
 
Das erste Treffen war am 22. November und hatte die primäre Zielsetzung, einen ersten Überblick über die Thematik zu gewinnen und darüber, was getan werden könnte, aber auch welche Grenzen für eine Landesinnung hier eventuell bestehen. Dieser Überblick bildete den Ausgangspunkt für vertiefende Recherchen.

Welche Konstellationen für sexuelle Belästigung / sexualisierte Übergriffe lassen sich im Bereich der gewerblichen Massage unterscheiden?

Vorliegen können sexuelle Belästigung bzw. sexualisierte Übergriffe:

  • von Kund*innen in Bezug auf Masseur*innen,
  • von Masseur*innen in Bezug auf Kund*innen,
  • von Arbeitgeber*innen in Bezug auf Lehrlinge und/oder Angestellte, sowie
  • von Ausbildner*innen/Kursleiter*innen in Bezug auf Schüler*innen/Kursteilnehmer*innen.

Für die Innung als Berufsvertretung der Masseur*innen relevant sind aber, unserem Verständnis nach, primär Übergriffe an bzw. von Masseur*innen, da für Lehrlinge und Angestellte die Arbeiterkammer als Ansprechpartner und Unterstützung zur Verfügung steht.

Und ohne schon die Ergebnisse der weiteren Recherchen und Gesprächen mit Expert*innen vorwegzunehmen (speziell im Bereich der Film- & Musikwirtschaft gibt es einiges an Erfahrung mit dieser Thematik, siehe https://we-do.filmschaffende.at), dürfte nicht nur der (auch präventive) Umgang mit sexueller Belästigung / sexualisiertem Übergriff von Bedeutung sein, sondern auch eine Erhöhung der Sensibilität für diese Thematik und eine „Bedarfserhebung“.

Was kann die Innung tun und wo sind ihre Grenzen?

Gemäß §17 und §18 Wirtschaftskammergesetz (WKG) darf die Landesinnung nur fachliche Angelegenheiten regeln, die – mehr oder weniger ausschließlich – die Interessen der Mitglieder der eigenen Fachorganisation berühren.

  • Werden die Interessen der Mitglieder von mehreren Fachorganisationen der eigenen Sparte berührt, ist dies eine Angelegenheit dieser Sparte.
  • Angelegenheiten, die darüber hinausgehen, sind Angelegenheiten der Wirtschaftskammer ganz generell.
  • Wenn es sich um eine bundesweite Angelegenheit handelt, liegt die Verantwortung für diese Angelegenheit – je nachdem welche Fachorganisationen davon betroffen sind – in Händen der Bundesinnung, der Bundessparte oder der Bundeskammer.

Wie geht es weiter?

Das nächste Treffen der Arbeitsgruppe ist Mitte Jänner. In diesem Treffen sollen die weiterführenden Recherchen zusammengefasst und erste Handlungsansätze daraus abgeleitet werden.

~ Anliegen von Heilmasseur*innen

Die gesetzliche Vertretung für Heilmasseur*innen ist die Wirtschaftskammer. Nicht alle Heilmasseur*innen aber fühlen sich durch die WK zufriedenstellend vertreten, weshalb 2002 der Bundesverband der Heilmasseure und Med. Masseure Österreichs (BHÖ, www.heilmasseure.com) gegründet wurde, der allerdings keine Rechtsstellung besitzt. Und trotz prinzipiell konvergierender Zielsetzungen gibt es bedauerlicherweise keine Zusammenarbeit zwischen der WK und dem BHÖ, atmosphärisch eher im Gegenteil…


Romana Schöberl ist seit 2006 Präsidentin des BHÖ und war 2015 bis 2020 auch Mandatarin in der BundesinnungFür „Am Puls“ (Ausgabe 3/2022, https://noe.arbeiterkammer.at/service/zeitschriftenundstudien/aknoezeitschriften/ampuls/Am_Puls_3-2022.html), die Zeitschrift für Gesundheits- und Sozialbetreuungsberufe der Niederösterreichischen Arbeiterkammer, gab sie ein Interview zu den Problemen von Heilmasseur*innen:
  
AM PULS: Mit welchen Problemen hat die Berufsgruppe der Heilmasseur*innen und Medizinischen Masseur*innen am meisten zu kämpfen und welche Lösungen würden Sie sich wünschen?
 
ROMANA SCHÖBERL: Eines der größten Probleme betrifft nicht nur die freiberuflichen Heilmasseur*innen, sondern auch ihre Patient*innen. Hier gibt es eine grobe Ungleichbehandlung. Wer sich auf ärztliche Anweisung hin in die Hände von Physiotherapeut*innen begibt, bekommt von Krankenkassen für die exakt gleiche Therapie wesentlich mehr rückerstattet als durch die Behandlung eines Heilmasseurs oder einer Heilmasseurin.
Und dass, obwohl Heilmasseur*innen eine weit längere Ausbildung im Fach Massage haben als die Physiotherapeut*innen.
Des Weiteren wurden Heilmasseur*innen, trotz mehrfacher Urgenzen an das Gesundheitsministerium, noch nicht in das Gesundheitsberuferegister aufgenommen. Als gesetzlich geregelter Gesundheitsberuf muss das aber möglich sein. Ebenso gibt es eine starke Ignoranz von Seiten des Gesundheitsministeriums in der Sache „Weiterentwicklung des Berufsbildes“. Auch hier liegen mehrere Anfragen bezüglich einer Zulassung zur Osteopathie-Ausbildung für Heilmasseur*innen vor.
Wie jede andere Berufsgruppe fordern wir zudem einen Berufsschutz, den es bis dato nicht gibt. Trotz unzähliger Versuche von Seiten des Bundesverbandes der Heilmasseure und Med. Masseure in Kooperation mit der Gewerkschaft kam es noch zu keiner Zustimmung eines Kollektivvertrages für Med. Masseur*innen und Heilmasseur*innen im Angestelltenverhältnis. Bis dato weigert sich die Wirtschaftskammer einem Kollektivvertrag zuzustimmen. Insgesamt ist die Stretch-Stellung als Gesundheitsberuf in der Wirtschaftskammer sehr mühsam und fraglich, zumal Med. Masseur*innen ja nur im Angestelltenverhältnis beschäftigt werden dürfen.
 
AM PULS: Welche Forderungen seitens des BHÖ stehen darüber hinaus im Raum?
 
ROMANA SCHÖBERL: Eindringlich möchten wir die Nationalratsabgeordneten aller vertretenden Parteien im Parlament in Wien und den Hauptverband der Sozialversicherungsträger auffordern, die Ungleichbehandlung bezüglich Rückerstattung einer Heilmassage versus Physiotherapie aufzuheben.
Des Weiteren fordert der BHÖ eine Wiederaufnahme der Gespräche mit der Wirtschaftskammer in puncto Kollektivvertrag Heilmasseur*innen Med. Masseur*innen im Angestelltenverhältnis. Wenn es um Fragen der Weiterentwicklung unseres Berufsstandes geht, würden wir (BHÖ) eine Einbindung und eine konstruktive Zusammenarbeit seitens des Gesundheitsministeriums sehr begrüßen. Nicht außeracht lassen möchte ich den schon lange geforderten Bettenschlüssel für Heil- und Med. Masseur*innen in Gesundheits- und Krankenanstalten.
 

Ergänzender Kommentar der Grünen Masseur*innen: Schon seit Jahren scheinen die Fronten (aus persönlicher Einschätzung) zwischen der Wirtschaftskammer und dem BHÖ verhärtet. Es gibt keine gemeinsame Linie, keine Zusammenarbeit. Aus unserem, auch prinzipiellen Verständnis (vgl. Die Ziele der Grünen Masseur*innen) sollte eine Zusammenarbeit zwischen dem BHÖ und der WK nicht an Fragen der Legitimation („die WK ist die gesetzliche Vertretung“) scheitern, vielmehr sollte eine Zusammenarbeit angestrebt werden, sollte gemeinsam an einem Strang gezogen werden.
 
Bzgl. der Eintragung in das Gesundheitsberuferegister scheint es von Seiten der WK rational (zumindest in der Vehemenz) schwer nachvollziehbare Ressentiments zu geben. Zudem wird hier, über die Köpfe der Betroffenen hinweg, eine Top-Down-Entscheidung getroffen. In Wien hat man deshalb, auf Drängen der Grünen Masseur*innen, eine Umfrage gestartet, ob Heilmasseur*innen in das Gesundheitsberuferegister eingetragen werden wollen. Leider – die Grünen Masseur*innen wurden in die Ausformulierung der Umfrage nicht eingebunden – war die Befragung tendenziös formuliert (vgl. Tendenziöse Fragestellung bei der Umfrage in Wien zur Gesundheitsberuferegister für Heilmasseur*innen).
 
Dann allerdings kamen mit der Wahl eine Neubesetzung des Ausschusses (mit einer absoluten Mehrheit des Wirtschaftsbundes) und Corona – und damit andere Themen und politische Gegebenheiten…

Links zum Thema Eintragung ins Gesundheitsberuferegister:

Pro und Contra Gesundheitsberuferegistereintragung für Heilmasseur*innen. Eine Zusammenfassung (Blog-Beitrag vom 11.2.2020

Grundsätzliche Überlegungen rund um die (mögliche) Eintragung von Heilmasseur’innen in das Gesundheitsberuferegister (Blog-Beitrag vom 27.2.2020

Tendenziöse Fragestellung bei der Umfrage in Wien zur Gesundheitsberuferegister für Heilmasseur*innen (Blog-Beitrag vom 13.2.2020

Arbeiterkammer fordert die Aufnahme von Medizinischen MasseurInnen und Heilmasseur*innen in das Gesundheitsberuferegister (Blog-Beitrag vom 4.11.2019)

~ Fachmesse & Kongress

Im Juni fand, veranstaltet von der Innung Wien, die 1. Fachmesse & Kongress unter dem Motto „FKM trifft Genuss“ in den Räumlichkeiten des Aux Gazelles statt. Es gab Lob und auch Kritik zur Veranstaltung, der „offizielle“ Blog-Eintrag dazu von IM Petra Felber ist nachzulesen unter https://insicherenhaenden.at/blog/fkm-trifft-genuss.
 
Aus unserer Sicht war der Kongress ein erster Schritt in die richtige Richtung, für folgende Projekte sollte allerdings vor allem mehr Vorbereitungszeit sein, damit manche Entscheidungen nicht über das Knie gebrochen werden müssen und Entscheidungsprozesse auf eine breitere Basis gestellt werden können. In die Vorbereitung sollten zudem mehr Personen eingebunden werden – und, das wäre unser Wunsch, auch „WK-ferne“ Berufs- und Interessensverbände, um mit der Veranstaltung auch die lebendige Auseinandersetzung mit bestimmten Themen zu ermöglichen, z.B. in Form von Diskussionsveranstaltungen.

~ Werbekampagne „In sicheren Händen“

Seit einiger Zeit ist die Werbekampagne „In sicheren Händen“ in der U-Bahn-Werbung zu sehen. Dazu wurden stellvertretend für die gesamte Fachgruppe Mitglieder aus den Bereichen Fußpflege, Kosmetik, Massage, Piercen, Tätowieren, Nageldesign und „in sich geschlossene Systeme“ dargestellt (so der „offiziellen“ Blog-Beitrag https://insicherenhaenden.at/blog/werbekampagne-in-sicheren-handen).
 
Schade ist zum einen, dass sich leider nicht alle Berufsgruppen/tätigkeiten im Hochformat (gut) darstellen lassen, und zum anderen, dass Expert*innen in bestimmten Themenstellungen/Anwendungsbereichen nicht herangezogen wurden – so z.B. im Bereich Shiatsu, deren Mitglieder sich vielfach nicht in der (ansonsten netten) Darstellung mit Kräuterstempel und Moxazigarre wiederfinden. Ähnliches dürfte wohl auch für Anwender*innen von Tuina oder auch Ayurveda gelten (Feedback kam zu mir allerdings nur aus der Shiatsu-Seite).


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