Bedauerlicherweise mussten wir feststellen, dass der aktuelle Newsletter der Grünen Masseur*innen von einigen Mail-Dienstleistern als Spam eingestuft und blockiert wurde (allerdings waren nicht alle Abonnenten dieser Dienste betroffen). Es betrifft, soweit wir das nachvollziehen konnten, insbesondere gmx.at, aon.at, chello.at und freenet.de. Leider aber lag das zu diesem Zeitpunkt nicht in unserer Hand, hier eine Änderung zu bewirken.

Für den nächsten Newsletter wurden die Sendeeinstellungen geändert - und wir hoffen, dass es dann keine Probleme mehr gibt. Wir bedauern die Umstände!

Der Newsletter 19 vom 06. Jänner kann hier online nachgelesen werden.

Inhalte sind:

  • Editiorial - Was uns bewegt
  • Sexuelle Belästigung / sexualisierte Übergriffe
  • Anliegen von Heilmasseur*innen
  • Fachmesse & Kongress
  • Werbekampagne "In sicheren Händen"

Das Thema Sexuelle Belästigung / Sexualisierte Übergriffe wurde im September von den Grünen Masseur*innen in den Ausschuss gebracht, und der Ausschuss hat sich für die Bildung einer Arbeitsgruppe unter der Leitung von Eduard Tripp ausgesprochen. Zudem wurde ein Rahmenbudget für Vorträge zum Thema „sexuelle Gewalt/Belästigung sowie Kriminalprävention“ beschlossen.

Ende November fand das erste Treffen der Arbeitsgruppe statt, in dem es primär darum ging, einen Überblick über die Thematik – und auch die Grenzen der Möglichkeiten der Landesinnung – zu gewinnen. Das nächste Treffen ist Mitte Jänner und soll nach Möglichkeit schon Ergebnisse der Recherchen und Gespräche mit Expert*innen zu Unterstützung, Sensibilisierung und Prävention zusammenfassen, z.B. aus dem Bereich der Film- und Musikwirtschaft, wo schon eine intensive Beschäftigung mit dieser Thematik stattgefunden hat (siehe https://we-do.filmschaffende.at).

Von den primär vier Konstellationen möglicher sexueller Belästigung bzw. sexualisierter Übergriffe, also

  • Kund*innen belästigen Masseur*innen,
  • Masseur*innen belästigen Kund*innen,
  • Arbeitgeber*innen belästigen Lehrlinge und/oder Angestellte, sowie
  • Ausbildner*innen/Kursleiter*innen belästigen Schüler*innen/Kursteilnehmer*innen,

sind für die Innung als Interessensvertretung der selbständigen Masseur*innen primär die ersten beiden Konstellationen relevant, denn für Lehrlinge und Angestellte steht die Arbeiterkammer als Ansprechpartner zur Verfügung.

In wessen Zuständigkeit fallen sexuelle Belästigung bzw. sexualisierte Übergriffe?

Gemäß §17 und §18 Wirtschaftskammergesetz (WKG) darf die Landesinnung nur fachliche Angelegenheiten regeln, die – mehr oder weniger ausschließlich – die Interessen der Mitglieder der eigenen Fachorganisation berühren.

  • Werden die Interessen der Mitglieder von mehreren Fachorganisationen der eigenen Sparte berührt, ist dies eine Angelegenheit dieser Sparte.
  • Angelegenheiten, die darüber hinausgehen, sind Angelegenheiten der Wirtschaftskammer ganz generell.
  • Wenn es sich um eine bundesweite Angelegenheit handelt, liegt die Verantwortung für diese Angelegenheit – je nachdem welche Fachorganisationen davon betroffen sind – in Händen der Bundesinnung, der Bundessparte oder der Bundeskammer.

Die gesetzliche Vertretung für Heilmasseur*innen ist die Wirtschaftskammer. Nicht alle Heilmasseur*innen aber fühlen sich durch die WK zufriedenstellend vertreten, weshalb 2002 der Bundesverband der Heilmasseure und Med. Masseure Österreichs (BHÖ, www.heilmasseure.com) gegründet wurde, der allerdings keine Rechtsstellung besitzt. Und trotz prinzipiell konvergierender Zielsetzungen gibt es bedauerlicherweise keine Zusammenarbeit zwischen der WK und dem BHÖ, atmosphärisch eher im Gegenteil…

Romana Schöberl ist seit 2006 Präsidentin des BHÖ und war 2015 bis 2020 auch Mandatarin in der Bundesinnung. Für „Am Puls“ (Ausgabe 3/2022, https://noe.arbeiterkammer.at/service/zeitschriftenundstudien/aknoezeitschriften/ampuls/Am_Puls_3-2022.html), die Zeitschrift für Gesundheits- und Sozialbetreuungsberufe der Niederösterreichischen Arbeiterkammer, gab sie ein Interview zu den Problemen von Heilmasseur*innen. Nachfolgend ein Auszug aus dem Interview:
  

AM PULS: Mit welchen Problemen hat die Berufsgruppe der Heilmasseur*innen und Medizinischen Masseur*innen am meisten zu kämpfen und welche Lösungen würden Sie sich wünschen?

ROMANA SCHÖBERL: Eines der größten Probleme betrifft nicht nur die freiberuflichen Heilmasseur*innen, sondern auch ihre Patient*innen. Hier gibt es eine grobe Ungleichbehandlung. Wer sich auf ärztliche Anweisung hin in die Hände von Physiotherapeut*innen begibt, bekommt von Krankenkassen für die exakt gleiche Therapie wesentlich mehr rückerstattet als durch die Behandlung eines Heilmasseurs oder einer Heilmasseurin.

Und dass, obwohl Heilmasseur*innen eine weit längere Ausbildung im Fach Massage haben als die Physiotherapeut*innen.

Des Weiteren wurden Heilmasseur*innen, trotz mehrfacher Urgenzen an das Gesundheitsministerium, noch nicht in das Gesundheitsberuferegister aufgenommen. Als gesetzlich geregelter Gesundheitsberuf muss das aber möglich sein. Ebenso gibt es eine starke Ignoranz von Seiten des Gesundheitsministeriums in der Sache „Weiterentwicklung des Berufsbildes“. Auch hier liegen mehrere Anfragen bezüglich einer Zulassung zur Osteopathie-Ausbildung für Heilmasseur*innen vor.

Wie jede andere Berufsgruppe fordern wir zudem einen Berufsschutz, den es bis dato nicht gibt. Trotz unzähliger Versuche von Seiten des Bundesverbandes der Heilmasseure und Med. Masseure in Kooperation mit der Gewerkschaft kam es noch zu keiner Zustimmung eines Kollektivvertrages für Med. Masseur*innen und Heilmasseur*innen im Angestelltenverhältnis. Bis dato weigert sich die Wirtschaftskammer einem Kollektivvertrag zuzustimmen. Insgesamt ist die Stretch-Stellung als Gesundheitsberuf in der Wirtschaftskammer sehr mühsam und fraglich, zumal Med. Masseur*innen ja nur im Angestelltenverhältnis beschäftigt werden dürfen.

AM PULS: Welche Forderungen seitens des BHÖ stehen darüber hinaus im Raum?

ROMANA SCHÖBERL: Eindringlich möchten wir die Nationalratsabgeordneten aller vertretenden Parteien im Parlament in Wien und den Hauptverband der Sozialversicherungsträger auffordern, die Ungleichbehandlung bezüglich Rückerstattung einer Heilmassage versus Physiotherapie aufzuheben.

Des Weiteren fordert der BHÖ eine Wiederaufnahme der Gespräche mit der Wirtschaftskammer in puncto Kollektivvertrag Heilmasseur*innen Med. Masseur*innen im Angestelltenverhältnis. Wenn es um Fragen der Weiterentwicklung unseres Berufsstandes geht, würden wir (BHÖ) eine Einbindung und eine konstruktive Zusammenarbeit seitens des Gesundheitsministeriums sehr begrüßen. Nicht außeracht lassen möchte ich den schon lange geforderten Bettenschlüssel für Heil- und Med. Masseur*innen in Gesundheits- und Krankenanstalten.

Wie berichtet sind uns sexuelle Belästigungen / sexualisierte Übergriffe in der Massage-Praxis ein wichtiges und dringliches Anliegen. Aus diesem Grund haben wir einen Antrag für die nächste Ausschuss-Sitzung im Herbst eingebracht, mit dem wir die Schaffung einer Anlaufstelle für Betroffene etablieren wollen. Die Zielsetzungen einer solchen Anlaufstelle sind:

  • Kolleg*innen, die von solchen Vorfällen betroffen sind/werden, professionell zu unterstützen;
  • Image-Schäden für die gesamte Branche zu vermeiden (d.h. diese Anlaufstelle sollte auch als Beschwerdestelle für Übergriffe durch z.B. Masseur*innen fungieren, denn bislang können sich Betroffene nur an die Gleichbehandlungsanwaltschaft oder Gerichte wenden);
  • ergänzend auch regelmäßig Workshops anzubieten, in denen z.B. Masseur*innen professionell auf solche Situationen vorbereitet werden; und
  • ganz grundsätzlich ein Zeichen zu setzen, dass die Standesvertretung ihre Mitglieder auch in dieser Problematik „nicht im Regen stehen lässt“.

Informelle Gespräche deuten darauf hin, dass diese Problematik in "unserer" Innung nicht nur im Bereich der Massage besteht, möglicherweise auch in anderen Branchen. Dringlicher Handlungsbedarf besteht aber in unserem Gewerbe, weshalb wir nicht auf "die Wirtschaftskammer" warten sollten. Aber umso erfreulicher, wenn sie sich unserer Initiative anschließt und uns darin unterstützt!