Edzard Ernst, ein gebürtiger Deutscher, der 1999 die britische Staatsbürgerschaft angenommen hat, war der erste Lehrstuhlinhaber für Alternativmedizin. Bekannt wurde er neben zahlreichen Veröffentlichungen und Publikationen auch wegen seiner Auseinandersetzung mit Prinz Charles (rund um Homöopathie) und seiner kritischen, ja mitunter regelrecht polemischen Haltung gegen unwissenschaftliche Quacksalberei.

2016 schrieb Edzard Ernst auch einen Beitrag auf seiner Website zum Thema Shiatsu. Die für ihn wohl rhetorische Frage, ob der Nutzen die Risiken / möglichen Nebenwirkungen überwiegt, beantwortet er abschließend mit einem vernichtenden Urteil, weil die Forschung sogar belege, dass Shiatsu zu Schlaganfällen führen kann.

Die genaue Überprüfung seiner Quellen allerdings erweist sich als irreführend und teilweise eklatant falsch. So sind die vermeintlichen lebensgefährlichen Risiken durch einen Massagesessel verursacht … und auch sonst verhält es sich mit der Wissenschaftlichkeit und Quellentreue seines Beitrags nicht zum Besten, so dass seine Conclusio schlichtweg falsch ist.

Mehr dazu unter https://www.gruene-masseurinnen.at/index.php/info-pool/studien/475-wie-gefaehrlich-ist-shiatsu-wissenschaft-und-polemik

Eine Erfahrung, die wir in der Massage alle kennen: Nach der Massage, oftmals erst am nächsten oder übernächsten Tag, leiden unsere KlientInnen an den Folgen der Behandlung. Von Erstverschlimmerung wird hier gesprochen, manchmal auch von "schlafenden Hunden", die geweckt wurden. Was allerdings sind - im Rahmen der Theorie - "erwartete" Reaktionen und wann handelt es sich - fahrlässige Behandlungsfehler außer Acht gelassen - um klare "unerwünschte" Reaktionen, die der KlientIn schaden und womöglich zu Recht Sorge bereiten (bis hin zum Behandlungsabbruch)?

In der Studie "A typology of negative responses: a case study of shiatsu" (2008) gehen Andrew F. Long, Lisa Esmonde und Seamus Connolly dieser Frage nach und erstellen eine Typologie "negativer" Reaktionen, die von Reaktionen ohne Zusammenhang mit der Behandlung über theoriekonsistente, erwartete "vorübergehende Reaktionen" bis hin zu klar unerwünschten, möglicherweise gefährlichen Auswirkungen reichen... mehr dazu unter https://www.gruene-masseurinnen.at/index.php/info-pool/studien/472-long-andrew-et-al-a-typology-of-negative-responses-a-case-study-of-shiatsu

Nervensystem und FaszienNicht nur dass Faszien, wie man sich erst heute bewusst mehr und mehr bewusst wird, das größte Sinnesorgan des Menschen bilden, die Welt der Faszien fasziniert mehr und mehr Menschen, vor allem auch MasseurInnen. Und auch bei der Frage der Wiener Innung nach Themenwünschen für Vorträge stand deshalb das Thema Faszien an prominenter Stelle und als Vortragender Andreas Haas, der diesem Wunsch am 24. Juni in großartiger Weise nachkam.

Nach grundlegenden Ausführungen zu Faszien, ihre Erforschung und ihre Einflussbereiche ging Andreas Haas (Leiter der Ausbildung „Integrierte Faszien-Therapie“ an der Manus-Schule, Wien) speziell auf das enge Verhältnis zwischen Nervensystem und Faszien ein. Denn nicht nur, dass Fasziengewebe die Nerven ernähren und innervieren, Faszien sorgen auch für ihre notwendige Beweglichkeit und ihren Schutz. Dieses Verhältnis wird mit dem Begriff der Neurofaszie beschrieben und meint die Einheit von Nervensystem und faszialen Strukturen. Da verwundert es dann nicht mehr, dass periphere Nerven aus 50 bis 90 Prozent Faszie bestehen.

Vielschichtige Faszienhüllen bilden sowohl ein Gleit- als auch ein Schutzsystem für periphere Nerven, wobei die Gleitfähigkeit insbesondere mit der Hyaluronsäure assoziiert ist. Kommt es nun aber zu Einschränkungen in der Beweglichkeit der Nerven, so kann dies die Ursache von Sensibilitätsstörungen ebenso wie für Schmerzen oder Parästhesien sein … mehr dazu in der nächsten Ausgabe von „Ihre Innung“, die einen, den Vortrag begleitenden Beitrag von Andreas Haas beinhalten wird.

 
(Bildquelle: Manus Ausbildungszentrum, Autor: Dr. Eduard Tripp)

Interview Wiener WirtschaftAuf Seite 24 der aktuellen Ausgabe von Wiener Wirtschaft (Nr. 26 vom 27.6.2019) gibt es unter der Überschrift „Heilmasseure“ einen Artikel zum Thema „Gesundheitsberuferegister“, in dem die Wiener Innungsmeisterin Petra Felber, die Nachteile des Gesundheitsberuferegisters und die Vorteile der Eintragung im WKO Firmen A-Z darlegt.

Sie führt aus, dass ins Gesundheitsregister jene Gesundheitsberufe aufgenommen werden, „für die bei selbständiger Tätigkeit keine gesetzliche Standesvertretung eingerichtet ist“ und bezieht sich damit auf die Erläuterungen zum Gesetz: https://www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXIV/I/I_02445/fname_309366.pdf.

  • Das allerdings, wie schon im Bericht zur Aussendung (Website) der Bundesinnung angeführt (https://www.gruene-masseurinnen.at/index.php/aktuelle-themen/460-ergaenzte-informationen-der-bundesinnung-zu-den-vor-und-nachteilen-des-gesundheitsberuferegisters), bedeutet nicht unbedingt eine Unmöglichkeit für HeilmasseurInnen ins Gesundheitsberuferegister eingetragen zu werden, heißt es doch im entsprechenden Gesetzestext in 1 (3): : „Die Registrierung nach den Bestimmungen dieses Bundesgesetzes berührt die Mitgliedschaft zu gesetzlichen Interessenvertretungen nicht.“
    Es handelt sich prinzipiell also nicht um ein Register, das „nur“ für Gesundheitsberufe eingerichtet wurde, die keine gesetzliche Standesvertretung haben. Derzeit werden allerdings viele Gesundheitsberufe, auch solche, die keine gesetzliche Standesvertretung haben, noch nicht erfasst.

Freiberufliche HeilmasseurInnen, so zitiert die Wiener Wirtschaft IM Petra Felber, haben das, was mit dem Gesundheitsberuferegister erreicht werden soll, nämlich „z.B. Transparenz, Qualiatätssicherung und Patientensicherheit“, „bereits längst verwirklicht“. Sie bezweifle deshalb, „dass eine Eintragung in das Gesundheitsberuferegister aus bloßen Imagegründen […] den bürokratischen Aufwand rechtfertigt“, da die Eintragung alle fünf Jahre zwingend erneuert werden muss.

Gleichzeitig legt sie nahe, dass ein Fehlen von (überwiegend freiberuflich tätigen) HeilmasseurInnen im Gesundheitsberuferegister keinen Marketingnachteil mit sich bringt, weil Kunden auf dem „kostenlosen Wirtschaftskammer-Service“ Firmen A-Z den für sie passenden Betrieb finden (können). Mehr noch: „Jeder Unternehmer kann dort seine Stammdaten selbst um individuelle Informationen erweitern“.

  • Ein Punkt wäre hier noch anzufügen für das Gesamtbild: Die Gesundheit Österreich GmbH registriert die (überwiegend) freiberuflich Tätigen und Ehrenamtliche. Unselbständig Tätige hingegen werden von der Arbeiterkammer (https://www.arbeiterkammer.at/interessenvertretung/arbeitsmarkt/gesundheitsberufe/Das_Gesundheitsberuferegister.html) registriert.[1]
    Das bedeutet, dass sich in Zukunft auch folgendes Bild ergeben könnte: Überwiegend selbständige HeilmasseurInnen werden im Gesundheitsberuferegister nicht aufgelistet, wohl hingegen solche, die nur zu einem geringeren Teil selbständig tätig sind. Letztere finden sich dann sowohl im Gesundheitsberuferegister als auch im WKO Firmen A-Z.

Aber wie schon im Bericht zu den Informationen der Bundesinnung zu den Vor- und Nachteilen des Gesundheitsberuferegisters festgehalten (https://www.gruene-masseurinnen.at/index.php/aktuelle-themen/460-ergaenzte-informationen-der-bundesinnung-zu-den-vor-und-nachteilen-des-gesundheitsberuferegisters): „Die Frage, ob eine zukünftige PatientIn das Firmen A-Z zu Rate zieht, wenn sie eine Heilmassage benötigt, kann ich nicht beantworten. Das bleibt zum gegenwärtigen Zeitpunkt auf allen Seiten nur Spekulation. Gefühlsmäßig würde ich allerdings schon sagen, dass ich persönlich als „unbedarfter Patient“ in dieser Fragestellung eher in einem Gesundheitsberuferegister nachschauen würde als im Firmen A-Z – zumal die offizielle Eintragung von absolvierter Aus-, Fort-, Weiter- und Sonderausbildungen bzw. Spezialisierungen sicherlich einen seriösen (seriöseren?) Eindruck macht. Aber, und das sei nochmals betont, das ist nur eine persönliche und absolut fiktive Einschätzung.

  • Offen bleibt damit – abgesehen von allen anderen offenen Fragen, wie z.B. ob das Gesundheitsberuferegister politisch überhaupt für selbständig tätige HeilmasseurInnen gewünscht wird, denn das benötigt einen parlamentarischen Beschluss – aber noch eine wichtige Frage: Wer entscheidet über wessen und/oder welche Interessen?

Meine vielleicht naive Herangehensweise in dieser Frage ist, dass es hier primär um die Interessen der Betroffenen geht, d.h. der HeilmasseurInnen. Ob ich oder auch andere Personen mit Entscheidungsmöglichkeit eine Eintragung in Gesundheitsberuferegister wünschen, sollte meiner Meinung nach nicht primär ausschlaggebend sein. Für mich persönlich gilt, dass ich kein Heilmasseur bin, sehr wohl aber Vertreter der HeilmasseurInnen als Innungsmeisterin-Stellvertreter der Wiener Innung und Vorsitzender des Berufsgruppenausschusses Massage.

Die relevantere Frage scheint mir deshalb vielmehr, wie die betroffenen HeilmasseurInnen das sehen und wünschen. Mein/unser Auftrag (als von unseren Mitgliedern gewählte FunktionärInnen) wäre dann, diesen Wunsch, sofern es möglich ist, umzusetzen. Das ließe sich mit einer Umfrage klären.

Eine solche wurde im zitierten Bericht aber weder erwähnt noch angedeutet.



------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

[1] § 4 Gesundheitsberuferegister-Gesetz (https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=20009644):

"(3) Die Bundesarbeitskammer und die Arbeiterkammern sind bei der Wahrnehmung der Aufgaben gemäß Abs. 1 und 2 Auftragsverarbeiter im Sinne des Art. 4 Z 8 der Verordnung (EU) 2016/679 zum Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten, zum freien Datenverkehr und zur Aufhebung der Richtlinie 95/46/EG (Datenschutz-Grundverordnung), ABl. Nr. L 119 vom 4.5.2016 S. 1 (im Folgenden: DSGVO).

(4) Der Gesundheit Österreich GmbH obliegt die Durchführung des Registrierungsverfahrens für jene Angehörigen eines Gesundheitsberufs gemäß § 1 Abs. 2, die nicht von Abs. 1 erfasst sind.

(5) Für Angehörige der Gesundheitsberufe gemäß § 1 Abs. 2, die sowohl unter Abs. 1 fallen als auch freiberuflich ihren Beruf ausüben, richtet sich die Zuständigkeit der Registrierungsbehörde gemäß Abs. 1 oder 4 nach der überwiegenden Art der Berufsausübung (freiberuflich, im Dienstverhältnis)."


 

(Autor: Dr. Eduard Tripp)

Die Podiumsdiskussion "Braucht Shiatsu Forschung? Welche Forschung braucht Shiatsu?" fand am 13. Juni im Rahmen des ÖDS-Tage des Österreichischen Dachverbandes für Shiatsu statt. Am Podium waren Fernando Cabo (Großbritannien), Achim Schrievers (Deutschland), Karin Koers (Deutschland), Patrizia Stefanini (Italien), Kristina Pfeifer (Österreich) und Eduard Tripp (Österreich) unter der Moderation von Mag.a Dr.in Sonia Raviola, MSc.
Die Diskussion wurde von OkiTalk live übertragen und die Aufzeichnung ist jetzt "nachzuhören" unter 

Die Diskussion fand in Deutsch statt, wurde aber - wegen englischsprachiger DiskutantInnen (und ZuhörerInnen auf OkiTalk) - auch auf Englisch übersetzt.