Neben systematischen Fehlern (Bias) gibt es noch weitere Faktoren, die einer Studie ihre Aussagekraft nehmen und ihre Ergebnisse verzerren können: Confounder[1], die unabhängig von der untersuchten Intervention (Behandlung) einen Einfluss auf die Ergebnisse haben und (zumindest zu einem gewissen Ausmaß) eine alternative Erklärung für die Ergebnisse bedeuten.

Als Beispiel kann die Cholera in London dienen, der allein im Jahre 1849 bei einem großen Ausbruch etwa 15.000 Menschen zum Opfer fielen. Und während wir heute wissen, dass die Erkrankung durch Vibrio cholerae-Bakterien ausgelöst wird, stritten die Ärzte und Wissenschaftler zu jener Zeit noch heftig über ihre Ursachen und Übertragung. Besonders populär war die sogenannte Miasma-Theorie, die davon ausging, dass Krankheiten durch das Einatmen schädlicher Dämpfe (Miasmen) entstehen, die aus dem Erdreich aufsteigen. Als präventive Maßnahmen galten deshalb a) das Einatmen von Misamen vermeiden, beispielsweise durch Riechflaschen, die man sich unter die Nase hält, b) Entwässerungssysteme in den Städten errichten, um die Böden in Wohnvierteln trocken zu legen, und c) Talismane tragen.

William Farr, ein englischer Arzt (1807 bis 1883), sammelte systematisch Daten zu den Choleratodesfällen und den Wohnorten der Verstorbenen und konnte so feststellen, dass das Cholerarisiko in den niedrig gelegenen Stadtteilen nahe der Themse größer war als in den höher gelegenen Stadtteilen. Das sprach für die Miasma-Theorie, denn die Themse war damals eine stinkende Brühe und wurde deshalb auch „great stink“ genannt. Entsprechend war die Luft in den höher gelegenen Stadtvierteln sauberer und weniger krank machend, so die Annahme (auch) von Farr.

Später musste er allerdings erkennen, dass er mit seiner Annahme falsch lag. Der Grund für die stärkere Choleraausbreitung in den tiefer gelegenen Stadtvierteln lag darin, dass die Menschen dort ihr Trinkwasser direkt aus der Themse bezogen, die mit Cholera-Erregern aus den Abwässern verseucht war. Die Menschen in den höher gelegenen Stadtvierteln hingegen bezogen ihr Wasser aus anderen, unverseuchten Quellen.

Ein anderes Beispiel wäre eine Studie, die untersucht, ob ein bestimmtes Medikament das Risiko senkt, an Dickdarmkrebs zu erkranken. Daneben könnten aber auch andere Faktoren ähnliche Effekte haben, wie beispielsweise ein hoher Verzehr an Ballaststoffen. Werden solche Einflussfaktoren in der Studie nicht berücksichtigt, wird das Ergebnis verfälscht und es lässt sich nicht sagen, ob und in welchem Ausmaß das untersuchte Medikament für den beobachteten Effekt (oder auch sein Fehlen) verantwortlich ist.


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[1] Das englische Wort „to confound“ bedeutet so viel wie „vewechseln“, „durcheinanderbringen“, „verwirren“.

(Autor: Dr. Eduard Tripp)