Vergleicht man verschiedene klinische Studien zu einer bestimmten Fragestellung, zeigen sich meist in den Ergebnissen und Implikationen abweichende, ja manchmal sogar widersprüchliche Ergebnisse. Um hier zu einer bestmöglichen Bewertung zu kommen – vor allem, wenn es viele Studien gibt, die sich manchmal auch nur schwer direkt vergleichen lassen –, stellen Überblicksarbeiten (Reviews) eine wichtige Quelle „vorbewerteter Evidenz“ dar.


Selektive und systematische Übersichtsarbeiten

  • Bei narrativen (selektiven) Übersichtsarbeiten (Literaturübersichten) wählt der Autor in der Regel für eine bestimmte klinische Fragestellung Studien selektiv aus und bewertet sie nach eigenen Gesichtspunkten.
    Sowohl die Auswahl als auch die Bewertung sind bei selektiven Übersichtsarbeiten häufig nicht klar nachvollziehbar. Dazu kommt, dass persönliche Meinungen und Erfahrungen oft nicht von tatsächlicher Evidenz getrennt werden oder auch die Qualität der zugrundeliegenden Studien nicht hinlänglich überprüft und bewertet wird.
  • Im Unterschied dazu folgen systematische Übersichtsarbeiten (systematic reviews) einer festgelegten Methodik, deren Ziele Transparenz und Nachvollziehbarkeit sind.
    In systematischen Übersichtsarbeiten sollen möglichst alle Studien zu einem bestimmten Thema berücksichtigt werden, wobei es vorher definierte Ein- und Ausschlusskriterien gibt. Die Autoren bewerten (idealerweise ausführlich) die Qualität der gefundenen Studien und fassen die Ergebnisse der einzelnen Studie nach einer, ebenfalls vorher festgelegten Methode zusammen.
    Wenn möglich werden Studienergebnisse aus randomisierten, kontrollierten Studien (RCT) herangezogen, da durch die randomisierte Behandlungszuweisung systematische Fehler, d.h. Einflüsse von Faktoren, die zu einer Verzerrung von Studienergebnissen führen können, minimiert werden.
    Systematische Übersichtsarbeiten und Metaanalysen werden von verschiedenen Organisationen bzw. Arbeitsgruppen erstellt. Die wichtigste ist die Cochrane Collaboration, die 1993 gegründet wurde und sich inzwischen zu einem internationalen Netzwerk von Wissenschaftlern entwickelt hat. Veröffentlicht werden die Cochrane Reviews in der Cochrane Library (https://www.cochranelibrary.com). 
  • Bei quantitativen Auswertungen spricht man auch von einer Metaanalyse.

(Autor: Dr. Eduard Tripp)