Studien unterscheiden sich darin, wie gut sie das Risiko für Verzerrungen durch Bias und Confounder kontrollieren. Entsprechend wurden Systeme für Evidenzhierarchien (Klassifikationssysteme) entwickelt.

Es ist zu berücksichtigen, dass diese Evidenzhierarchien naturgemäß auf bestimmte Fragen/Themenstellungen zugeschnitten sind. In der vorliegenden Auflistung geht es um Fragen zu Therapie und/oder Prävention, wobei randomisierte kontrollierte Studien hier als beste Evidenz gelten.[1]


Evidenzgrade nach Oxford Centre for Evidence-Based Medicine
 

1a   Systematische Reviews von randomisierten kontrollierten Studien (RCT) bei homogener Studienlage
1b Einzelne randomisierte kontrollierte Studie (RCT) mit hoher Qualität und Präzision des Effektschätzers
2a Systematische Übersichtsarbeiten von Kohortenstudien bei homogener Studienlage
2b Einzelne Kohortenstudie oder randomisierte kontrollierte Studie (RCT) mit niedriger Qualität
3a Systematische Übersichtsarbeiten von Fall-Kontroll-Studien bei homogener Studienlage
3b Einzelne Fall-Kontroll-Studie
4 Fallserien und Kohorten-/Fall-Kontroll-Studien mit niedriger Qualität
5 Expertenmeinungen ohne kritische Wertung der Studienlage oder basierend auf physiologischen/pharmakologischen Überlegungen bzw. Laborversuchen


Das Oxford Centre for Evidence-Based Medicine (CEBM) ist Teil des Nuffield Department of Primary Care Health Sciences an der University of Oxford und hat sich zum Ziel gesetzt „to develop, teach and promote evidence-based health care through a variety of methods so that all healthcare professionals can maintain the highest standards of medicine“ (https://www.cebm.net/2009/06/oxford-centre-evidence-based-medicine-levels-evidence-march-2009).


Evidenzgrade nach Scottish Intercollegiate Guidelines Network (SIGN)

1++  Qualitativ hochwertige Metaanalysen, systematische Übersichtsarbeiten von RCT oder RCT mit sehr niedrigen Bias-Risiko
1+ Ordentlich durchgeführte Metaanalysen, systematische Übersichtsarbeiten oder RCT mit niedrigem Bias-Risiko
1- Metaanalysen, systematische Übersichtsarbeiten oder RCT mit hohem Bias-Risiko
2++ Qualitativ hochwertige systematische Übersichtsarbeiten von Fall-Kontroll- oder Kohortenstudien; qualitativ hochwertige Fall-Kontroll- oder Kohortenstudien mit sehr niedrigem Confounding- oder Bias-Risiko und einer hohen Wahrscheinlichkeit für einen kausalen Zusammenhang
2+ Ordentlich durchgeführte Fall-Kontroll- oder Kohortenstudien mit niedrigem Confounding- oder Bias-Risiko und einer mittleren Wahrscheinlichkeit für einen kausalen Zusammenhang
2- Fall-Kontroll- oder Kohortenstudien mit hohem Confounding- oder Bias-Risiko und einem bedeutsamen Risiko, dass der Zusammenhang nicht kausal ist
3 Deskriptive Studien, z.B. Fallstudien oder Fallserien
4 Expertenmeinungen


Das Scottish Intercollegiate Guidelines Network (SIGN) wurde 1993 gegründet und hat zum Ziel „to improve the quality of health care for patients in Scotland by reducing variation in practice and outcome … on current evidence“ (https://www.sign.ac.uk).



Evidenzgrade nach Cochrane Collaboration

1a   Wenigstens ein systematischer Review auf der Basis methodisch hochwertiger kontrollierter, randomisierter Studien (RCTs)
1b Wenigstens ein ausreichend großer, methodisch hochwertiger RCT
2a Wenigstens eine hochwertige Studie ohne Randomisierung
2b Wenigstens eine hochwertige Studie eines anderen Typs quasi-experimenteller Studien
3 Mehr als eine methodisch hochwertige nichtexperimentelle Studie
4 Meinungen und Überzeugungen von angesehenen Autoritäten (aus klinischer Erfahrung); Expertenkommissionen; beschreibende Studien


Die Cochrane Collaboration wurde 1993 gegründet wurde und hat sich zum Ziel gesetzt „to promote evidence-informed health decision-making by producing high-quality, relevant, accessible systematic reviews and other synthesized research evidence“ (https://www.cochranelibrary.com; https://web.archive.org/web/20130927204524/http://www.cochrane.de/de/evidenz-empfehlung).

 

 ------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------ 

[1] Für Fragen zur Genauigkeit von diagnostischen Tests hingegen eignen sich insbesondere Querschnittsstudien, bei denen gleichzeitig der Test und ein Referenzstandard verwendet werden. Ebenfalls mit Hilfe von Querschnittsstudien werden Fragen der Prävalenz (Häufigkeit) von bestimmten Erkrankungen erhoben.
  

(Autor: Dr. Eduard Tripp)