Bei „Rolfing“ handelt es sich um einen markenrechtlich geschützten Begriff. Der Begriff „Strukturelle Integration“ ist von jeher eng verbunden mit Rolfing und bietet zugleich den Vorteil, dass mit ihm auch andere, auf ähnlichen Prinzipien beruhende (zum Teil aus dem Rolfing heraus entwickelte) Methoden erfasst werden können.


Aktuelle Rechtslage

In einem Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Angelegenheiten vom Dezember 1992 (GZ.: 30.599/70-III/I/92) zur „rechtlichen Einstufung von Tätigkeiten im Bereich der Lebens- und Sozialberater sowie der angrenzenden Berufszweige" ist Rolfing unter Tätigkeiten angeführt, die nicht in den Anwendungsbereich der Gewerbeordnung fallen, wie Privatunterricht, Medizin und Psychotherapie.

Diese Einstufung ist unserem Wissenstand zufolge bis heute unverändert und bedarf einer offiziellen Änderung, da es sich bei Rolfing um eine Methode handelt, die in der bestehenden Rechtslage zumindest zu großen Teilen dem Massage-Gewerbe zuzuordnen ist. Die Zuordnung von Rolfing zum Massage-Gewerbe wird auch vom Rolfing-Verein Österreich (www.rolfing.at) befürwortet.


Hintergrund

Rolfing, benannt nach ihrer Gründerin, wurde von Dr. Ida P. Rolf (1896-1979), von ihrem Studium her Biochemikerin, entwickelt. Neben ihrer Arbeit als Professorin an der Rockefeller-Universität in New York City beschäftigte sie sich mit Bewegung und speziell mit Yoga, und ging in weiterer Folge der für sie fundamentalen Frage nach, welche Voraussetzungen für die menschliche Körperstruktur erfüllt sein müssen, um so in Einklang mit der Schwerkraft zu sein, so dass der gesamte Mensch möglichst optimal und ergonomisch funktionieren kann.

Ida Rolf erkannte, dass sich durch Dehnung, in Kombination mit Entspannung und Atmung, viele positive Effekte erzielen lassen, für die sie als westliche Forscherin Erklärungen suchte. Von wesentlicher Bedeutung für die systematische Entwicklung des Rolfing, das sie damals selbst als „Strukturelle Integration“ bezeichnete, und seine spätere Verbreitung war der Kontakt mit Fritz Perls, dem Begründer der Gestalttherapie.

Kurz gefasst, lässt sich Rolfing als eine ganzheitliche Körperarbeit verstehen. Im Vordergrund stehen dabei ein systematisches Ausbalancieren des körperweiten Fasziennetzes, eine Bewegungsverfeinerung (Schulung), um ein natürliches Aufgerichtet sein zu unterstützen / zu erlangen, und psychobiologische Ansätze. „Wir wollen“, so Ida Rolf, „dem Menschen helfen, ihn in einen Zustand zu bringen, in dem die Schwerkraft nicht sein Feind ist. Wir wollen, dass die Schwerkraft den Menschen unterstützt und als nährende Kraft wirkt."

Detaillierte, objektivierte Informationen zur Methode findet man im Methodenkatalog der Schweizer „KomlementärTherapeutIn mit eidgenössischem Diplom“: http://www.oda-kt.ch/fileadmin/user_upload/pdf/D/METID/Strukturelle_Integration_-_Finale_Metid_d.pdf.

 
Die Ausbildung

In Europa koordiniert die Europäische Rolfing Association e.V. (ERA, http://www.rolfing.org) mit Sitz in München die Ausbildungen, die 742 Stunden (a 60 Minuten) in fachspezifischen Bereichen umfasst:

„Certified Rolfers are trained to possess the knowledge, sensitivity and skills necessary to respond to the needs of each individual client.  To become a Certified Rolfer is a major accomplishment.  Each Rolfer has participated in approximately 750 hours of Pre-training workshops, Basic Rolfing Training, Mentoring sessions and Supervision.  Furthermore, to maintain their certification they must continuously update their knowledge through Continuing Education credits earned by further studies leading up to an Advanced Certification within a 3 to 7 year period” (http://rolfing.org/becoming-a-rolfer/basic-certification).


Weitere Methoden der Strukturellen Integration

Bei „Rolfing“ handelt es sich um einen markenrechtlich geschützten Begriff, der aus diesem Grund, so der Rolfing-Verein Österreich als Berufszuordnung zugunsten von „Struktureller Integration“ nicht verwendet werden sollte.

Der Begriff „Strukturelle Integration“ ist von jeher eng verbunden mit Rolfing und bietet zugleich den Vorteil, dass mit ihm auch andere, auf ähnlichen Prinzipien beruhende (zum Teil aus dem Rolfing heraus entwickelte) Methoden erfasst werden können.

Neben Rolfing gibt es weitere Methoden im „Grauraum“ zwischen Massage und (körper)psychotherapeutischen Ansätzen, die man von ihrem manuellen Ansatz her ebenfalls unter dem Begriff der Strukturellen Integration subsummieren könnte, wie Posturale Integration, Rebalancing oder auch Bodymind Integration und The Guild for Structural Integration.

Posturale Integration (PI) ist eine – auf Rolfing begründete – Methode, die insbesondere integrative Atemarbeit, Gestalttherapie, Methoden aus der Körperpsychotherapie nach Wilhelm Reich und fernöstliche Methoden wie Akupressur integriert. Posturale Integration berücksichtigt psychische Prozesse stärker als die Rolfing. Man geht davon aus, dass alle geistigen, seelischen und körperlichen Prozesse untrennbar miteinander verbunden sind und dass mit der Anwendung von Posturaler Integration der behandelte Mensch in seiner Gesamtheit angesprochen wird. In den 1990er-Jahren entwickelte sich daraus die Psychotherapeutic Postural Integration, ein mittlerweile anerkanntes Verfahren der European Association for Body Psychotherapy.

Rebalancing, in den 1970er-Jahren im Ashram von Osho entwickelt, baut ebenfalls auf der Arbeit von Ida Rolf auf und integriert Elemente aus Methoden wie Body-Reading (John Pierrakos), Tragering, Feldenkrais, Posturale Integration, Alexandertechnik, Osteopathie, Polarity, Shiatsu, Meditationstechniken und Achtsamkeitsübungen, um den behandelten Menschen zu einem neuen Körperbewusstsein zu verhelfen.

Bodymind Integration ist ein in weiten Bereichen auf Jack Painter zurückzuführender Ansatz, der Posturale Integration, Energetic Integration und Pelvic Heart Integration mit neueren Erkenntnissen aus Hirnforschung und Biologie verbindet.

Die Guild for Structural Integration entwickelte sich auf Basis von Ida Rolf. Inhaltlich dem Rolfing vergleichbar, entstand diese Richtung nach dem Tod von Ida Rolf, entwickelt von ehemaligen LehrerInnen des Rolf-Instituts.