KleinunternehmerInnen sind UnternehmerInnen, die die Umsatzgrenze von € 30.000,- jährlich nicht überschreiten. Einmal in fünf Jahren darf die Grenze um max. 15% überschritten werden. Steuerbefreite Umsätze, wie z.B. als HeilmasseurIn, werden hier nicht mitgezählt.


Was bedeutet das in der Praxis?

  • KleinunternehmerInnen sind von der Umsatzsteuer befreit, d.h. sie führen von den Einnahmen keine Umsatzsteuer ab, können dafür aber auch keine Vorsteuern geltend machen.
  • Die Optionserklärung beim Finanzamt (der Verzicht auf die Umsatzsteuerbefreiung) bindet für jeweils fünf Jahre (das Jahr, für das sie geltend gemacht wird, plus weitere vier Jahre). Erst nach Ablauf dieser Bindungsfrist kann die Optionserklärung widerrufen werden – spätestens zum Monatsletzten des ersten Kalendermonats jenes Kalenderjahres, ab dem der Widerruf (der Umsatzsteuerbefreiung) gelten soll.
  • Möchte man auf die Umsatzsteuerbefreiung verzichten (obwohl die für die Kleinunternehmerregelung geltende Umsatzgrenze nicht überschritten wird), so muss man diesen Verzicht schriftlich beim Finanzamt erklären. Das Formular „U12 – Optionserklärung“ kann unter https://service.bmf.gv.at/service/anwend/formulare/show_mast.asp?s=U12 heruntergeladen werden. In diesem Fall stellt die UnternehmerIn Umsatzsteuer in Rechnung, führt diese an das Finanzamt ab und macht Vorsteuern geltend.
  • Umsatzsteuerbefreite KleinunternehmerInnen dürfen auf ihren Rechnungen keine Umsatzsteuer ausweisen (sollten sie es dennoch tun, schulden sie die Umsatzsteuer aufgrund der Rechnungslegung) und müssen auf die Steuerbefreiung hinweisen (z.B. mit dem Zusatz „Umsatzsteuerfrei aufgrund der KleinunternehmerInnenregelung“). Die Angabe einer UID-Nummer ist nicht erforderlich.
  • Umsatzsteuerbefreite KleinunternehmerInnen benötigen keine UID-Nummer, es sei denn, es werden Waren von EU-Unternehmen über der Erwerbsschwelle (€ 11.000,- pro Jahr) gekauft, auf die Erwerbsschwelle verzichtet oder Dienstleistungen von ausländischen UnternehmerInnen bezogen.
  • Umsatzsteuer ist dennoch zu bezahlen, wenn verbotenerweise Rechnungen mit Umsatzsteuer ausgestellt werden, bei steuerpflichtigen innergemeinschaftlichen Erwerben und bei Dienstleistungsbezügen von ausländischen Unternehmen. Darüber hinaus auch noch bei jenen Lieferungen und Dienstleistungen im Inland, bei denen die AbnehmerIn/LeistungsempfängerIn die Umsatzsteuer schuldet (Reverse Charge).
  • Eine Umsatzsteuervoranmeldung (UVA) muss nur bei Aufforderung durch das Finanzamt abgegeben werden. Eine interne UVA (für die Buchhaltung) ist allerdings auch dann zu erstellen, wenn wegen Wareneinkäufen aus der EU (innergemeinschaftliche Erwerbe) oder Dienstleistungsbezügen von  ausländischen UnternehmerInnen Umsatzsteuer zu zahlen ist.
  • Auch eine Jahresumsatzsteuererklärung ist nur dann abzugeben, wenn aufgrund innergemeinschaftlicher Erwerbe oder Dienstleistungsbezügen von ausländischen UnternehmerInnen im Veranlagungsjahr Umsatzsteuer zu zahlen war.  

Die Entscheidung, ob man die Umsatzsteuerbefreiung wählen soll oder nicht, hängt häufig davon ab, ob hauptsächlich an Private oder UnternehmerInnen fakturiert wird bzw. ob hohe Vorsteuern zu erwarten sind.


Neu ab 1. Jänner 2017

Mussten bei der Berechnung der KleinunternehmerInnenregelung bisher alle Umsätze im Jahr zusammengerechnet werden, also grundsätzlich steuerpflichtige als auch steuerfreie, ändert sich dies mit 2017. Nunmehr sind unecht befreite Umsätze von Blinden, von privaten Schulen und anderen allgemein bildenden oder berufsbildenden Einrichtungen, von Privatlehrern, gemeinnützigen Vereinen, von Pflege- und Tagesmüttern, von Krankenanstalten, von Tätigkeiten im Rahmen von Heilbehandlungen (auch PsychotherapeutInnen oder HeilmasseurInnen), von Tätigkeiten als ZahntechnikerIn sowie bestimmte Umsätze von Bund, Ländern und Gemeinden nicht mehr miteinzuberechnen.

  • Nicht von der Neuregelung betroffen sich beispielsweise steuerfreie Kreditgewährungen, Grundstückslieferungen und die Vermietung und Verpachtung von Grundstücken. Diese Umsätze sind daher wie bisher bei der Ermittlung der Umsatzgrenze für die KleinunternehmerInnenregelung zu berücksichtigen.
     

Quellen und weitere Informationen